Wie Kriege endeten
Frieden wurde verhandelt, nicht gefunden
Kriege enden selten von selbst. Sie enden, wenn Menschen sich an einen Tisch setzen und Regeln vereinbaren, die danach gelten sollen
Das Wichtigste in Kürze
- Kriege enden selten von selbst. Die neun Friedensschlüsse dieser Reihe, von 1555 bis 1998, wurden verhandelt, von den Siegern vorgegeben oder von außen vermittelt.
- Ein Waffenstillstand beendet die Kämpfe. Erst der Friedensvertrag überführt den Krieg rechtlich in den Frieden und regelt, was danach gelten soll.
- Wie lange ein Frieden hielt, reicht weit auseinander: Brest-Litowsk war nach acht Monaten hinfällig, der Augsburger Religionsfriede verhinderte 63 Jahre lang einen Glaubenskrieg.
- Jeder Eintrag folgt denselben fünf Fragen: was der Frieden war, wer verhandelte, was beschlossen wurde, wie lange er hielt und was daraus folgt.
25. September 1555
Augsburger Religionsfriede
Ein Reichsgesetz lässt im Reich zwei Bekenntnisse nebeneinander bestehen.
24. Oktober 1648
Westfälischer Friede
Zwei Verträge aus Münster und Osnabrück beenden den Dreißigjährigen Krieg.
9. Juni 1815
Wiener Kongress
Die Schlussakte ordnet Europa nach den Kriegen gegen Frankreich neu.
28. Juni 1919
Versailler Vertrag
Die Sieger legen die Bedingungen fest, das Deutsche Reich unterschreibt im Spiegelsaal.
17. September 1978
Camp David
Ägypten und Israel unterzeichnen nach dreizehn Tagen zwei Rahmenabkommen.
10. April 1998
Karfreitagsabkommen
Zwei Regierungen und acht Parteien beenden den Nordirlandkonflikt.
- Augsburg 1555: Schmalkaldischer Krieg1546 bis 1547
- Westfalen 1648: Dreißigjähriger Krieg30 Jahre
- Tilsit 1807: Vierter Koalitionskriegunter 1 Jahr
- Wien 1815: Koalitionskriege gegen Frankreich23 Jahre
- Brest-Litowsk 1918: Ostfront3,5 Jahre
- Versailles 1919: Erster Weltkrieggut 4 Jahre
- Camp David 1978: Kriegszustand seit 194831 Jahre
- Dayton 1995: Bosnienkrieg3,5 Jahre
- Karfreitag 1998: Nordirlandkonflikt30 Jahre
Gesetz
- In dieser Reihe
- Augsburger Religionsfriede 1555
- Wer am Tisch saß
- Kaiser und Reichsstände auf dem Reichstag
- Was entstand
- Ein Reichsgesetz, kein Vertrag zwischen zwei Parteien
Kongress
- In dieser Reihe
- Westfälischer Friede 1648, Wiener Kongress 1815
- Wer am Tisch saß
- Viele Mächte zugleich, dazu Gesandte kleinerer Staaten
- Was entstand
- Eine Ordnung für einen ganzen Kontinent
Vertrag der Sieger
- In dieser Reihe
- Tilsit 1807, Brest-Litowsk 1918, Versailles 1919
- Wer am Tisch saß
- Die Sieger, die Unterlegenen kaum oder gar nicht
- Was entstand
- Verträge mit Gebietsverlusten der unterlegenen Seite
Vermittelte Einigung
- In dieser Reihe
- Camp David 1978, Dayton 1995, Karfreitagsabkommen 1998
- Wer am Tisch saß
- Die Konfliktparteien und ein Vermittler von außen
- Was entstand
- Rahmenabkommen, bestätigt durch Verträge oder Referenden
Alle Friedensschlüsse im Überblick
| Friedensschluss | Zeitraum | Ort | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Der Augsburger Religionsfriede | Februar bis September 1555 | Augsburg | Ein Reichsgesetz vom 25. September 1555, das die Confessio Augustana neben der alten Kirche anerkennt |
| Der Westfälische Friede | 1644 bis 1648 | Münster und Osnabrück | Zwei Friedensurkunden vom 24. Oktober 1648, das Instrumentum Pacis Osnabrugense und das Instrumentum Pacis Monasteriense |
| Der Frieden von Tilsit | Juli 1807 | Tilsit an der Memel | Zwei Verträge, mit Russland am 7. und mit Preußen am 9. Juli 1807, die Preußen etwa die Hälfte seines Gebiets nehmen |
| Der Wiener Kongress | Oktober 1814 bis Juni 1815 | Wien | Eine Neuordnung des Kontinents und der Deutsche Bund, festgehalten in der Schlussakte vom 9. Juni 1815 |
| Der Frieden von Brest-Litowsk | Dezember 1917 bis November 1918 | Brest-Litowsk, heute Brest | Ein Separatfrieden vom 3. März 1918, der mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 hinfällig wurde |
| Der Versailler Vertrag | Januar 1919 bis Januar 1920 | Paris und Versailles | Ein Vertrag aus 440 Artikeln, unterzeichnet am 28. Juni 1919, in Kraft seit dem 10. Januar 1920, mit der Satzung des Völkerbundes als Teil I |
| Das Abkommen von Camp David | September 1978 bis März 1979 | Camp David, Maryland, und Washington | Zwei Rahmenabkommen vom 17. September 1978, aus denen der Friedensvertrag vom 26. März 1979 wurde |
| Das Abkommen von Dayton | November bis Dezember 1995 | Dayton, Ohio, und Paris | Ein Rahmenabkommen mit elf Anhängen, paraphiert am 21. November 1995 und unterzeichnet am 14. Dezember 1995 in Paris |
| Das Karfreitagsabkommen | Juni 1996 bis Mai 1998 | Belfast | Ein Abkommen vom 10. April 1998, bestätigt durch Referenden in Nordirland und in Irland am 22. Mai 1998 |
Diese Reihe geht Friedensschlüsse durch, die Europa und die Welt verändert haben. Jeder folgt denselben fünf Fragen: was er war, wer verhandelte, was beschlossen wurde, wie lange er hielt und was daraus zu lernen ist.
Die Friedensschlüsse
Februar bis September 1555
Der Augsburger Religionsfriede
Als sich der Glaubensstreit nicht entscheiden ließ, einigte man sich darauf, ihn nicht mehr zu führen. Diese Verlegenheitslösung trug über sechzig Jahre
Ansehen1644 bis 1648
Der Westfälische Friede
Fünf Jahre verhandelten Gesandte in zwei Städten, während der Krieg weiterging. Am Ende stand ein Frieden, der bis heute als Vorbild für Verhandlungen zwischen Gegnern gilt
AnsehenJuli 1807
Der Frieden von Tilsit
Preußen verlor die Hälfte seines Staates und behielt seine Eigenständigkeit nur, weil ein Dritter am Tisch sie erhalten wollte
AnsehenOktober 1814 bis Juni 1815
Der Wiener Kongress
Nach über zwanzig Jahren Krieg verhandelten die europäischen Mächte in Wien eine neue Ordnung. Was dort entstand, hielt länger als alles, was ihm vorausging
AnsehenDezember 1917 bis November 1918
Der Frieden von Brest-Litowsk
Im März 1918 endete der Krieg an der Ostfront mit einem Vertrag, den eine Seite diktierte. Acht Monate später war er Makulatur
AnsehenJanuar 1919 bis Januar 1920
Der Versailler Vertrag
Am 28. Juni 1919 unterzeichneten die Beteiligten im Spiegelsaal von Versailles einen Vertrag, den nur eine Seite ausgehandelt hatte. Daran entschied sich, wie lange er halten konnte
AnsehenSeptember 1978 bis März 1979
Das Abkommen von Camp David
Dreizehn Tage ohne Öffentlichkeit, ein Vermittler, der die Beteiligten nicht gehen ließ, und am Ende der erste Frieden zwischen Israel und einem arabischen Staat
AnsehenNovember bis Dezember 1995
Das Abkommen von Dayton
Drei Wochen abgeschirmt auf einem Luftwaffenstützpunkt, und am Ende stand nicht nur ein Waffenstillstand, sondern die Verfassung eines Staates
AnsehenJuni 1996 bis Mai 1998
Das Karfreitagsabkommen
Nach drei Jahrzehnten Gewalt einigten sich zwei Regierungen und acht Parteien auf eine Ordnung, über die anschließend die Bevölkerung abstimmte
Ansehen
Häufige Fragen
Wie werden Kriege beendet?
Die neun Friedensschlüsse dieser Reihe zeigen vier Wege. Manche Kriege endeten auf einem Kongress, auf dem viele Mächte zugleich verhandelten, wie 1648 in Münster und Osnabrück und 1815 in Wien. Andere endeten mit einem Vertrag, dessen Bedingungen die Sieger festlegten, wie 1807 in Tilsit, 1918 in Brest-Litowsk und 1919 in Versailles.
Camp David, Dayton und das Karfreitagsabkommen kamen mit einem Vermittler von außen zustande. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 schließlich war kein Vertrag zwischen Parteien, sondern ein Reichsgesetz.
Was ist der Unterschied zwischen Waffenstillstand und Friedensvertrag?
Ein Waffenstillstand beendet die Kämpfe, nicht den Krieg. Völkerrechtlich ist er ein kriegsrechtlicher Vertrag. Der Friedensvertrag dagegen überführt den Rechtszustand des Krieges in den des Friedens und regelt, was danach gelten soll, etwa Grenzen, Entschädigungen oder Rüstung.
Wann endet ein Krieg?
Die Kämpfe enden oft lange vor dem Krieg. Im Ersten Weltkrieg schwiegen die Waffen seit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918, der Versailler Vertrag wurde erst am 28. Juni 1919 unterzeichnet und trat am 10. Januar 1920 in Kraft.
Auch ein Vertrag garantiert keinen Frieden. Die Bundeszentrale für politische Bildung hält fest, dass er nicht automatisch dazu führt, dass es tatsächlich friedlich zugeht: Es muss auch dafür gesorgt sein, dass es keinen Grund mehr gibt, Krieg zu führen.
Wie lange halten Friedensverträge?
Sehr unterschiedlich lange. In dieser Reihe war der Vertrag von Brest-Litowsk nach acht Monaten hinfällig, der Frieden von Tilsit nach sechs Jahren erledigt. Der Augsburger Religionsfriede verhinderte 63 Jahre lang einen Glaubenskrieg im Reich. Jeder Eintrag geht dieser Frage in einem eigenen Kapitel nach.
Von der Geschichte zur eigenen Mission
Jeder dieser Verträge war das Werk von Menschen, die es für machbar hielten. Dieselbe Haltung braucht es im Kleinen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.
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