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Streit lösen

Streitschlichtung

Schülerinnen und Schüler vermitteln zwischen Gleichaltrigen, nach festen Regeln und ohne Lehrkraft. Das funktioniert besser, als es zunächst klingt

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Streitschlichtung vermitteln ausgebildete Schülerinnen und Schüler zwischen Gleichaltrigen, ohne Lehrkraft am Tisch.
  • Die Streitenden suchen die Lösung selbst; am Ende steht eine schriftliche Vereinbarung, die alle unterschreiben.
  • Es gelten feste Regeln: zuhören, ausreden lassen, keine Beleidigungen, alles bleibt vertraulich.
  • Die Ausbildung zur Streitschlichterin oder zum Streitschlichter dauert meist ein Schuljahr.

In Zahlen

2

Schlichtende je Gespräch

ausgebildete Gleichaltrige

5

Schritte im Gespräch

vom Regelwerk bis zur Vereinbarung

0

Schuldfragen

geklärt wird die Zukunft, nicht die Vergangenheit

So wirst du StreitschlichterNach frieden-fragen.de der Berghof Foundation
  1. Eigenen Umgang prüfen

    Am Anfang der Ausbildung steht die Frage, wie du selbst mit Konflikten umgehst.

  2. Gespräche führen lernen

    So, dass alle zu Wort kommen und ihre Meinung sagen können.

  3. Genau zuhören

    Besonders wichtig ist, zu hören, was der andere sagt und meint, also aktives Zuhören.

  4. Im Rollenspiel üben

    Der Ablauf einer Schlichtung wird oft durchgespielt, bevor die ersten echten Gespräche stattfinden. Die Ausbildung dauert meist ein Schuljahr.

Was Streitschlichtung leistet und wo sie endet

Was sie leistet

  • Die Streitenden finden die Lösung selbst, niemand wird verurteilt.
  • Geklärt wird, was künftig gilt, nicht wer angefangen hat.
  • Das Ergebnis wirkt im selben Klassenraum weiter.
  • Gut eingeführte Programme stärken Sozialkompetenz und Schulklima.

Wo sie endet

  • Gewalt, Mobbing und strafbare Handlungen gehören zu den Erwachsenen der Schule.
  • Bei einem deutlichen Machtgefälle ist Freiwilligkeit nur behauptet.
  • Ohne feste Zeiten, Raum und zuständige Lehrkraft schläft ein Programm ein.
Herkunft
Aus der Mediation entwickelt, an deutschen Schulen seit den neunziger Jahren verbreitet
Einsatzfeld
Schule, Jugendarbeit, Freizeiteinrichtungen
Aufwand
Ausbildung über mehrere Wochen, Schlichtung in einer Sitzung
Rolle von außen
Zwei ausgebildete Gleichaltrige, keine Lehrkraft am Tisch
Schwarzweißfoto eines nassen Schulhofs von oben, Kinder in Winterjacken stehen in Gruppen vor dem Schulgebäude
Pause auf dem Schulhof der Grundschule Bieringen, um 1980.Foto von Rauser, um 1980, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Was ist Streitschlichtung?

Streitschlichtung überträgt das Verfahren der Mediation auf den Schulalltag. Ausgebildete Schülerinnen und Schüler vermitteln zwischen Gleichaltrigen, nach einem festen Ablauf und ohne dass eine Lehrkraft am Tisch sitzt.

Die Ausbildung dauert je nach Programm mehrere Wochen und umfasst aktives Zuhören, Gesprächsführung, den Umgang mit Gefühlen und das Erkennen von Stimmungen. Sie wird in Arbeitsgemeinschaften, Projektwochen oder durch externe Träger vermittelt.

Der Unterschied zur üblichen Konfliktbearbeitung im Unterricht ist die Rolle. Eine Lehrkraft entscheidet, bewertet und kennt die Vorgeschichte. Schlichtende Gleichaltrige tun nichts davon, und genau darin liegt ihre Wirkung.

Wie läuft eine Streitschlichtung ab?

In fünf Schritten: Regeln vereinbaren, beide Sichtweisen hören, Gefühle klären, Lösungen sammeln, Vereinbarung schriftlich festhalten. Der Ablauf ist bewusst immer gleich, damit er auch unter Anspannung trägt.

Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens wird keine Schuldfrage geklärt: Das Gespräch richtet sich auf das, was künftig gelten soll, nicht auf die Frage, wer angefangen hat. Zweitens kommen die Lösungsvorschläge von den Streitenden selbst.

Am Ende steht eine schriftliche Vereinbarung mit einem Termin zur Nachschau. Ohne diesen Termin bleibt die Vereinbarung ein guter Vorsatz, und die Erfahrung an Schulen zeigt, dass gerade dieser letzte Schritt regelmäßig ausfällt.

Wann passt Streitschlichtung?

Bei Konflikten unter Gleichaltrigen, die sich wiederholen und im Alltag stören: Ausgrenzung in der Pause, Streit um Plätze und Sachen, Beleidigungen, festgefahrene Gruppenkonflikte.

Sie passt, weil die Beteiligten weiter miteinander zu tun haben. Ein Verweis beendet einen Vorfall, nicht die Lage in der Klasse. Ein Ergebnis, das beide selbst gefunden haben, wirkt im selben Klassenraum weiter.

Programme dieser Art fördern nach Einschätzung der Fachstellen die Sozialkompetenz und wirken sich auf das gesamte Schulklima aus, nicht nur auf die geschlichteten Fälle. Der Lerneffekt trifft die Schlichtenden mindestens so stark wie die Streitenden.

Wo liegen die Grenzen der Streitschlichtung?

Die klarste Grenze ist Gewalt. Körperliche Übergriffe, Mobbing und strafbare Handlungen gehören nicht in ein Schlichtungsgespräch unter Gleichaltrigen, sondern zu den Erwachsenen der Schule, gegebenenfalls zu externen Stellen.

Die zweite Grenze ist das Gefälle. Wo eine Seite deutlich mächtiger ist, ist Freiwilligkeit nur behauptet, und ein Ergebnis kann Druck sein statt Einigung. Solche Fälle vorher zu erkennen, ist Teil der Ausbildung.

Die dritte Grenze ist organisatorisch, und an ihr scheitern die meisten Programme: Ohne feste Zeiten, einen Raum, eine zuständige Lehrkraft und regelmäßigen Nachwuchs schläft ein Streitschlichterprogramm binnen zweier Jahrgänge ein.

Wie fängt man mit Streitschlichtung an?

Mit der Frage, wer es trägt. Ein Programm braucht mindestens eine Lehrkraft mit fester Zuständigkeit und Stunden dafür, sonst bleibt es an Freiwilligen hängen und endet mit deren Schulabschluss.

Danach kommt die Ausbildung. Für sie gibt es erprobte Materialien und Träger, darunter Programme von Jugendverbänden, die an Grund- und weiterführenden Schulen als Arbeitsgemeinschaft laufen. Nichts davon muss neu erfunden werden.

Der dritte Schritt ist der, der am häufigsten fehlt: die Bekanntmachung. Ein Schlichtungsangebot, von dem eine Klasse nichts weiß, wird nicht genutzt. Feste Zeiten, ein sichtbarer Raum und eine kurze Vorstellung in jeder Klasse zu Schuljahresbeginn entscheiden über die Auslastung.

Der Kern

Die Schlichtenden entscheiden nichts und wissen nichts besser. Sie halten nur das Verfahren, in dem zwei andere sich einigen können.
Alle Methoden

Die Schritte

  1. Regeln vereinbarenZu Beginn wird festgelegt, was gilt: ausreden lassen, keine Beleidigungen, Vertraulichkeit, Freiwilligkeit. Die Regeln kommen vor dem Inhalt, weil sie sonst mitten im Streit ausgehandelt werden müssten.
  2. Sichtweisen hörenJede Seite schildert, was aus ihrer Sicht geschehen ist. Die schlichtende Seite gibt wieder, was sie verstanden hat. Widersprochen wird nicht, verglichen auch nicht.
  3. Gefühle klärenBeide sagen, wie es ihnen damit ging. Dieser Schritt ist der Grund, warum das Verfahren an Schulen wirkt: Er macht aus zwei Gegnern zwei Personen, die etwas erlebt haben.
  4. Lösungen sammelnDie Streitenden selbst schlagen vor, wie es weitergehen soll. Die schlichtende Seite sammelt und bewertet nicht. Ein fremder Vorschlag wäre ein Urteil, und Urteile hält niemand ein, der sie nicht gemacht hat.
  5. VereinbarungDas Ergebnis wird aufgeschrieben und von beiden unterschrieben, mit einem Termin, an dem nachgesehen wird, ob es hält.

Häufige Fragen zur Streitschlichtung

Was macht ein Streitschlichter?

Ein Streitschlichter bringt die Streitenden zusammen und begleitet sie durch ein klärendes Gespräch. Er urteilt nicht und schlägt keine Lösung vor, sondern achtet darauf, dass alle gleichberechtigt zu Wort kommen. An vielen Schulen heißen Streitschlichter auch Konfliktlotsen. Nach der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg schlichten speziell ausgebildete Schülerinnen und Schüler Konflikte unter jüngeren Mitschülern, in einem festen, ritualisierten Ablauf. Angestrebt wird eine Lösung, bei der es keine Verlierer gibt.

Welche Regeln gelten in einem Schlichtungsgespräch?

Zu Beginn führen die Schlichter die Grundregeln ein, so beschreibt es das Angebot frieden-fragen.de der Berghof Foundation: einander zuhören und ausreden lassen, keine Beleidigungen und keine Handgreiflichkeiten. Alles, was gesprochen wird, bleibt in der Gruppe und wird nicht weitererzählt. Dann schildern alle Beteiligten den Streit aus ihrer Sicht, auch, wie es ihnen damit geht. Zum Schluss wird gemeinsam eine Lösung gesucht. Stimmen alle zu, entsteht eine schriftliche Vereinbarung, die alle unterschreiben.

Wie wird man Streitschlichter?

Über eine Ausbildung, die nach frieden-fragen.de meist ein Schuljahr dauert. Dazu gehört, über den eigenen Umgang mit Konflikten nachzudenken und zu lernen, Gespräche so zu führen, dass alle zu Wort kommen. Besonders wichtig ist genaues Zuhören, also das, was die Methode des aktiven Zuhörens übt. Der Ablauf einer Schlichtung wird in vielen Rollenspielen durchgespielt, bevor die ersten echten Gespräche stattfinden.

Was ist der Unterschied zwischen Streitschlichtung und Mediation?

Im Kern keiner, denn Streitschlichtung ist eine Form der Mediation. Die Hamburger Schulbehörde verwendet beide Begriffe für dasselbe Verfahren: Unparteiische Dritte vermitteln mit dem Ziel einer Lösung, die beide Seiten akzeptieren. Unterschiede gibt es im Rahmen. Die schulische Streitschlichtung wird von ausgebildeten Gleichaltrigen getragen und dauert meist eine Sitzung. Die Mediation unter Erwachsenen regelt das Mediationsgesetz, oft mit mehreren Sitzungen und einer Mediatorin, die dafür eine eigene Ausbildung hat.

Bringt Streitschlichtung an Schulen etwas?

Die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung verweist auf langfristige Evaluationen, nach denen ein gut eingeführtes Streitschlichtungsprogramm positive Auswirkungen auf die Sozialkompetenzen der Schülerinnen und Schüler und auf das gesamte Schulklima hat. Entscheidend ist der Zusatz „gut eingeführt“: Es braucht ausgebildete Schlichter, einen festen Raum und Lehrkräfte, die Streitfälle tatsächlich an die Schlichtung weitergeben. Für Gewalt, Mobbing und strafbare Handlungen bleibt die Schule selbst zuständig.

Vom Verfahren zur eigenen Mission

Jede dieser Methoden ist von Menschen entwickelt worden, die einen Streit vor sich hatten und ihn anders führen wollten. Dieselbe Haltung braucht es im Kleinen: in einer Nachbarschaft, einer Schule, einem Verein.

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